Ars Figura

Eine Ausstellung antiker Puppen, die in Szene gesetzt sind.

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Frischer Kaffeeduft erfüllt den Raum, das Mauzen einer Katze klingt zaghaft vom Dach – schlendern Sie durch die lebensgroße, wunderbar detailreiche Gasse im Stil des 19. Jahrhunderts und gehen sie einfach hinein, mitten ins animierte, rege Treiben der damaligen Zeit. Lassen Sie sich begeistern auf einer eindrucksvollen und spannenden Entdeckungsreise durch die märchenhafte „bewegte“ Welt, mit wertvollen Sammlungen antiker, moderner und mechanischer Puppen.

Ca. 200 antike Porzellan-, Wachs-, Papiermaché-, Holz- und Celluloid-Puppen von 1800 bis 1940, sowie auserlesene moderne Charakter- und ethnologische Künstlerpuppen, sind liebevoll in Szene gesetzt. Eingebettet in die begehbare, alte Gasse in der man einen Kolonialwarenladen im imposanten Stuckhaus, die gute alte Wohnstube einer wohlhabenden Familie in der Kaiserzeit, eine historische Küche und z.B. den Puppendoktor in seiner Werkstatt bewundern kann.

Wie alles begann · Ein Aufblühen für den kleinen Grenzort Losheim/Eifel.

Das, was an die 15 Handwerker hier in Losheim innerhalb von nur einem Monat errichtet haben, grenzt an ein kleines Wunder. Anfangs sollte es nur eine Puppenausstellung werden, aber die Initiatoren fanden dies nicht aussagekräftig genug. „Antike Puppen in Szene zu setzen“, war der Auftrag. „Was dabei herausgekommen ist, hätten wir selbst nie so erwartet.“ Erzählt einer der Betreiber. Eine alte Gasse mit detailgetreuen Fachwerkhäusern im Originalstil um 1850, mittelalterliche Torbögen mit Schiefer und alten Tonpfannen eingedeckt, Kupferrinnen und buntes Gesims – allein diese Fassaden sind ein wunderbarer Blickfang. Hinzu kommt die detailverliebte, antike Innenausstattung der Häuser, sie kann sich durchaus mit den besten Museen Deutschlands vergleichen.
Durchstöbern Sie den alten Kolonialwarenladen im imposantes Stuckhaus, mit hunderten alten Kaffee- und Teedosen, den riesigen, original Bonbon- und Gurkengläser die Oma und Opa so liebten – das eine oder andere mal bekam man ja was Süsses mit. Betreten sie die Wohnstube um 1900, ausgestattet mit antiken Möbeln, Lampen und Schaufensterpuppen, bekleidet mit Original Kostümen der damaligen Zeit. Gleich nebenan strömt der Kaffeeduft aus der Küche, in der ein herrlicher Kuchen zubereitet wird. Dort hört man auch schon den Klang des „bewegten“ Klavierspieler, dessen Musik aus der Eckkneipe schallt, in der ein Wirt aus einer Flasche ausschenkt, die niemals leer wird. Im Schaufenster eines Puppenstubenladens glänzen die Spielzeuge der Jahrhundertwende und ein Puppendoktor der sich um kleinere und größere Blessuren kümmert, hämmert und malt in seiner Werkstatt. Wenn die Besucher all dies erblicken, fangen die eigentlichen Darsteller an zu „sprechen". Sie erzählen von einem langen, aufregenden Leben, von lieben Kindern, die fein die Haare gekämmt und die Kleider gewechselt haben. Sie erzählen von der guten alten Zeit, aber auch von Rauch, Brand und Krieg. Sie erzählen Geschichten von Sammlern und von Museen, von zahlreichen Ausstellungen und von alten Damen die sie zuletzt geliebt haben. Ja, wenn all diese Puppen reden könnten, tagelang könnte man Ihnen zuhören, und immer wieder kämen neue Geschichten zum Vorschein. Für Sammler ein Muss, für Großeltern eine Reise in die Kindheit und für alle Anderen ein Erlebnis
im Losheimer Ardenner Cultur Boulevard direkt an der deutsch-belgischen Grenze.

Die Puppenwelt der ArsFigura

Ende des 18. Jahrhunderts, Anfang des 19. Jahrhundert erhalten das Spielzeug und die Puppen eine pädagogische Funktion. Sie wurden gezielt geschenkt und eingesetzt, um Kinder auf ihre spätere Rolle im Erwachsenenleben vorzubereiten. Nach den Holz-, Wachs-, Stoff–, Pappmaché- und Modepuppen begann das goldene Porzellan-Puppen- Zeitalter. Puppenmanufakturen verbreiteten sich in ganz Europa. Nach den glasierten Porzellanpuppen wurden in England von 1850 bis 1870 Puppen aus Parian-Porzellan hergestellt. Dies war ein mattes unglasiertes Porzellan, das wie Marmor aussah (abgeleitet von der griechischen Insel Paros). Zwischen 1860 und 1870 wurden in Deutschland und Frankreich die ersten Puppenköpfe aus Biskuit-Porzellan hergestellt, welches den Puppen einen natürlichen Teint gab. Die Puppenkörper selbst waren aus Leder, Stoff oder Holz gefertigt; es gab aber auch ganz aus Porzellan hergestellte Puppen. Die Markierung der Puppen wurde ab 1890 per Gesetz vorgeschrieben. Frankreichs Puppen-Manufakturen waren führend bis zum Ende des 19. Jahrhundert. (Im Jahre 1899 schlossen sich alle französischen Hersteller zusammen zur Société Francaise de Fabrication des Bébés et Jouëts (SFBJ). Die deutsche Konkurrenz aus Thüringen (damals Puppenland genannt) übernahm Anfang des 20 Jh. die Führung. Die Puppenträume der Puppenmuttis gingen damals um die ganze Welt. Die bekanntesten Puppenmanufakturen waren Simon & Halbig, Armand/Marseille, die Firma Kestner, Kämmer & Reinhard, Bruno Schmidt, Gebrüder Heubach und viele andere.
Biskuit-Ethnologische Puppen, von verschiedenen afrikanischen Stämmen zeigen ein anderes Bild. Afrika wie es sein könnte, ohne Unruhen, ohne Hunger.